Rundbrief 09 / 00

Braunschweig – eine Stadt im Dunstkreis der EXPO

Schlendert man in diesem Sommer durch die Stadt, hört man häufiger als in anderen Jahren die Melodie verschiedener Sprachen und begegnet Touristen, die abseits des Expo-Trubels Quartier in Braunschweig bezogen haben.

Trotz aller Kritik hat unsere Stadt  von der Weltausstellung in Hannover profitiert. Wie eine „Grand Old Lady“ präsentiert sie sich in ruhiger Gelassenheit und es hat ihr gut getan, ihren alten Muff der sechziger Jahre wegzupolieren.

Man denke hierbei nur an die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, der Stadthalle und der Geschäftszeile am Bohlweg. Aber auch der Schloßpark kann sich ohne den Wiederaufbau des Schlosses sehen lassen.

Sobald sich die Dunkelheit über die Stadt senkt, zieht der Brücken-Licht-Parcours nicht nur die Besucher Braunschweigs in seinen Bann, sondern lockt auch die „Alteingesessenen“ aus ihren Nischen. Mit Flößen und Booten, zu Fuß oder mit Fahrrädern nehmen sie die Spur auf und lassen sich von dem Lichtspiel berauschen. Andächtige Stille und Faszination führen die Menschen zusammen.

Eine Stimmung ganz anderer Art verleiht das Artmax, das neue Domizil der Buchhandlung Graff und das neu eröffnete Cinemax. Hier spiegelt sich architektonisch der Flair einer Großstadt wieder und verleiht ihr den Eindruck pulsierenden Lebens.

Auch Straßenräume, Verkehrsverbindungen sowie andere Objekte der Infrastruktur sind im Vorfeld der Expo aufgewertet worden oder befinden sich noch wie z.B. in der Gliesmaroder- und Fallersleber Straße mit der Erneuerung der Stadtbahn in der Umbauphase.

Eigentlich könnten wir stolz sein auf unsere Stadtverwaltung, Politik und allen kleinen und großen Investoren, die dieses ermöglicht haben, dennoch klingen auch Disharmonien mit. Es wird Kritik laut, wenn Gelder im laufenden Haushalt für eine adäquate Spielplatzsanierung fehlen, sodass defekte Spielgeräte zwar abgebaut, aber nicht erneuert werden.

Besondere Härte erfahren derzeit Jugendliche und junge Erwachsene, die auf Sozialhilfe angewiesen sind. Ihre Anträge wurden laut Aussage der Stiftung „Wohnen und Beraten“ nicht einmal angenommen. In vielen Fällen folgte eine fristlose Kündigung seitens der Vermieter, die jungen Leute „krochen“ erst einmal bei Freunden unter, bis diese sie nicht mehr finanzieren konnten. Einige landen auf der Straße, betteln und schlafen im Freien.

Ist dies der gewollte Effekt, als die Politik im Einvernehmen aller Fraktionen im Sozialausschuß den Beschluss fasste, Jugendliche von der Sozialhilfe auszuschließen? Hier zeigt sich das andere Gesicht Braunschweigs und es schließt sich die Frage an, wie man beides miteinander verantworten kann.

Die wenigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Braunschweig, die der Expo kritisch gegenüberstehen und mit zivilem Ungehorsam bereits im April und Mai diesen Jahres darauf aufmerksam machten, wurden in Hannover durch ein riesiges Aufgebot an Sicherheitskräften mundtot gemacht, bis zu 27 Stunden festgenommen und erhielten Strafanzeigen wegen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr oder Landfriedensbruch.

So bleibt bei aller Euphorie ein bitterer Nachgeschmack und die Frage nach der Begleichung noch ausstehender Expo-Rechnungen, die in jedem Fall zu Lasten der nachfolgenden Generation gehen.

Heidi Wanzelius

 

20 Jahre braunschweiger forum - 20 Jahre Engagement von Bürgern für Bürger

"Etwas muß sich ändern " - mit diesem Motto traten vor 20 Jahren 37 engagierte Bürger an, um sich kritisch in die Braunschweiger Stadtplanung einzumischen und in kritisch-konstruktiver Zusammenarbeit mit Behörden und Parteien den Bedürfnissen politisch Betroffener stärker Geltung zu verschaffen. "Von Bürgern für Bürger", doch nicht von oben herab, sondern als Hilfe zur Selbsthilfe - so definierten die Mitglieder des neuen Vereins ihre Rolle bei der Formulierung und Gestaltung kommunaler Vorhaben. Diese Handlungsmaxime blieb in den seither vergangenen 20 Jahren im Kern unverändert gültig, auch wenn sich im Einklang mit allgemeinen Entwicklungstendenzen der westdeutschen Bürgerbewegung Themen- und Arbeitsschwerpunkte im Laufe der Zeit verschoben.

Betrachten wir die Anfänge des braunschweiger forums, so fällt auf, daß zunächst vor allem die Verkehrspolitik der Stadt auf der Tagesordnung stand. Bohlweg und Stobenstraße, Ölper Knoten, Goslarsche Straße und Hagenmarkt - wohin die Mitglieder auch schauten, überall bot sich ihnen das Bild vereinzelter Projekte, die eine übergeordnete Planungsstrategie im Sinne eines Generalverkehrsplans vermissen ließen und die zudem die Belange von Fußgängern, Anwohnern ... nur unzureichend berücksichtigten.

Neben der Generalsverkehrsplanung widmete sich das forum von Anfang an auch anderen wichtigen kommunalen Aufgabenfeldern: Sanierung und Denkmalspflege, Förderung des Radverkehrs, Probleme von Behinderten ("rollstuhlgerechte Innenstadt"), Auswüchse des Wohnungsmarktes ("Luxusmodernisierung", "Wohnumfeldverbesserung"). Mitglieder engagierten sich ebenso für die Innenhofbegrünung (Juliusstraße) wie gegen die Luftbelastung durch das Heizkraftwerk Uferstraße. Der Verein war Stadtgespräch (Verpackung des Löwen gegen Luftverschmutzung), Medienereignis (TV-Sendung "Markt der Ideen" anläßlich des 5jährigen Bestehens) und erreichte mit seinen Schriften und Ausstellungen ("Braunschweig im Wandel") ein breiteres Publikum. Er brachte Themen in die Öffentlichkeit ("Tempo 30", Abfallbeseitigung/-vermeidung, Radewegekonzept oder Ausbau / Förderung des ÖPNV), die heute zum Kanon kommunal-politischer Selbstverständlichkeiten gehören.

Anfang der 90iger Jahre setzte der Verein mit dem "Gesunde Städte Projekt" neue Akzente. Die Aktivitäten konzentrierten sich auf die Gesundheitsförderung im Westlichen Ringgebiet, das von der Kommunalpolitik lange Zeit vernachlässigt worden war. Bewusst wurde der räumliche Rahmen eng gezogen, um eine möglichst große Bürgernähe bei der Ermittlung gesundheitlicher Problemlagen und bei der Initiierung von Problemlösungen zu erreichen und damit die notwendige Einbindung der Betroffenen in die Projektarbeit zu gewährleisten. Obwohl die Gesundheitsförderung nach 3 Jahren dem Sparkurs der Stadt Braunschweig zum Opfer fiel, schuf der Verein mit seiner Arbeit doch Ansatzpunkte für eine Vielzahl von Projekten, die in den folgenden Jahren im Kiez aufgelegt wurden. Er war Vorreiter in Sachen "Stadteilmanagement" und "sozialer Vernetzung".

Heute bildet das bs-forum eine feste Größe im Westlichen Ringgebiet. Sein Name ist gleichermaßen mit öffentlichen Ereignissen ("Stadtteilfest") wie mit Vorzeigeprojekten (Spielplatz Ekbertstraße) verbunden. Er gilt als Ansprechpartner für Fragen bürgernaher Stadtplanung, er wird gehört, wenn es darum geht, neue Projekte ("Soziale Stadt") zu formulieren. Kurz: trotz des allgemeinen Abflauens der Bürgerbewegung in den 90igern ist das forum auch 20 Jahre nach seiner Gründung vital und fähig, in der kommunalen Stadtplanung etwas zu bewegen.

Freuen wir uns also mit einem gewissen Stolz darauf, am 4. November das 20jährige Jubiläum des bs-forums zu feiern.

Frank Ruhnau

FÖJ-Stelle September 2000 –August 2001

Hallo!

An dieser Stelle möchte ich mich als neue FÖJlerin im forum vorstellen. Mein Name ist Maren Höhn, ich bin 19 Jahre alt und komme aus Vechelde.

Ich habe dieses Jahr mein Abi gemacht, mich aber schon vor längerer Zeit dazu entschlossen, ein Öki-Jahr einzulegen, um nach 13 Jahren Schule mal was ganz anderes zu machen und Zeit zu haben, mir über mein späteres Berufsziel klar zu werden. Für das ökologische Jahr habe ich mich entschieden, weil ich mich für Ökologie in allen Bereichen interessiere und ich auch etwas "mit Natur" machen wollte, da ich gerne wandere und Fahrrad fahre.

Ich habe mich beim forum beworben, da es interessante Themen und Projekte aus den unterschiedlichsten Bereichen verfolgt. Diese Vielfalt finde ich toll und deswegen habe ich mir bis jetzt für die Arbeit im forum noch keine Schwerpunkte gesetzt, weil ich erst mal alles kennenlernen möchte.

Ich freue mich auf die Arbeit im forum und auf alle Leute, die ich kennenlernen werde. Bis bald im forum

Maren Höhn

Kleiner Dörfer - Weg: demnächst auch als Radwander-Rundweg?

Braunschweig: das sind nicht nur die 5 historischen Weichbilder und die Ringgebiete, sondern auch die 1974 eingemeindeten Dörfer des ehemaligen Landkreises Braunschweig.

Gemeinsam mit den Ortsheimatpflegern und der städtischen Denkmalpflege hat die TU BS (Prof. Erke) deren Geschichte jetzt auf BLIK zusammengefaßt (BLIK bedeutet „Braunschweiger Leit- und Informationssystem für Kulturdenkmäler“).

Verbunden werden die Ausstellungsobjekte durch den „Kleinen-Dörfer-Weg“ (KDW), zu dem in der nächsten Zeit ein Faltblatt der Stadt BS erscheinen wird.

Im Rahmen ihres freiwilligen ökologischen Jahres beim bs-forum haben Michael Schneider und Florian Dürrkopf Anfang des Jahres den Weg abgefahren und darauf aufbauend ein Konzept für eine ergänzende wegweisende Beschilderung entwickelt.

Jetzt liegt das Ergebnis vor: Zwei dicke Ordner voll mit konkreten Angaben zu insgesamt 429 Schilderpunkten und Hinweisen auf Verbesserungshinweise an den Feld- und Radwegen längs der Route.

In den nächsten Wochen sollen die Unterlagen der Stadt öffentlich übergeben werden. Verbunden damit ist natürlich die Hoffnung, den Weg in 1-2 Jahren auch tatsächlich vor Ort beschildert zu sehen.

Dann hätte sich die 6-monatige Arbeit der „Ökis“ nicht nur gelohnt, sondern die Stadt wäre auch um eine (fahrrad) touristisches Highlight reicher. Wir werden weiter berichten.

Michael und Florian jedenfalls schon mal ein herzliches Dankeschön für ihre Arbeit und viel Glück beim Studium!

Hans W. Fechtel

Jubiläumsrundbrief geplant: Beiträge und Sponsoren gesucht

Zum 20jährigen Vereinsjubiläum wird es Zeit einen Rückblick auf die vergangenen Jahre zu werfen. Was ist aus unseren Visionen und konkreten Projekten geworden, was treiben die „Ehemaligen“? Wie soll es weitergehen?

An dieser Zusammenstellung möchten wir möglichst viele Aktive aus allen Zeitabschnitten beteiligen. Je nach Inhalt und Finanzierungsmöglichkeit soll die Schrift als Jubiläumsrundbrief oder als Broschüre (Arbeitstitel: „Stadtplanung in Braunschweig unter Beteiligung des braunschweiger forums“) veröffentlicht werden. Wer also Lust hat, einen kurzen Beitrag dafür zu schreiben und /oder sich als Sponsor zu betätigen, wende sich bitte an:

Hans W. Fechtel

Tel. tagsüber: 0451/122-6603
abends: 0451/57506
Wo-Ende 0531/400339

 

 

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